Auch ich bin eine unfreundliche Person

Ger­ade habe ich den Entwurf für einen Kom­men­tar, den ich bei Antje Schrupp (“Wie ich zu einer unfre­undlichen Per­son wurde”) hin­ter­lassen wollte, gefun­den. Da die Diskus­sion bei Antje schon vor­bei ist und let­ztlich sowieso schon viel weiter fort­geschrit­ten war, als das noch Platz für “Erleb­nis­berichte” wäre, veröf­fentliche ich ihn ein­fach hier!

Liebe Antje,

vie­len Dank für deinen Artikel. Ich habe schon vor Jahren aufge­hört, zu frem­den Män­nern fre­undlich zu sein. Es ist ein­fach zu oft zu unan­genehmen Sit­u­a­tio­nen gekom­men. Einen Abend saß ich mit meinem Vater in einer Straßenkneipe und habe ihm davon erzählt. Er kon­nte es nicht glauben und hat mas­siv auf mich eingewirkt, dass das doch nicht fair ist und die meis­ten Män­ner doch nur nett sein wollen und ein „nein“ schon ver­ste­hen. Ich habe mir also ein Herz gefasst und den ersten Mann, der vor­bei kam, fre­undlich angeschaut. Und was soll ich sagen, ich bin ihn solange nicht los gewor­den (er meinte, mich überre­den zu müssen, meinen Vater sitzen zu lassen und mit ihm in einen Club zu gehen), bis mein Vater ein Macht­wort gesprochen hat und ihn aufge­fordert hat zu gehen. Ich habe dem Kerl vorher mehrmals deut­lichst gesagt, dass ich nicht vorhabe, mit ihm auszuge­hen. Ich weiß nicht, was Frau in solchen Momenten sonst noch sagen soll. Con­tinue read­ing

Warum wir Hebammen brauchen — Stichwort Nachsorge

Nach­dem schon sehr viel zur Sit­u­a­tion Hebamme geschrieben wurde, möchte ich doch noch einige Gedanken zu dem Thema auf­schreiben. Wie ihr sicher alle schon mit­bekom­men habt, sehen freiberu­fliche Hebam­men einem fak­tis­chen Berufsver­bot ent­ge­gen, weil ihnen ab Som­mer 2015 die Beruf­shaftpflicht gestrichen wird, ohne Ver­sicherung aber keine Arbeit­ser­laub­nis und damit ist dann Schluss mit freiberu­flichen Hebam­men. Es gibt dann nur noch die Hebam­men, die in der Klinik fest angestellt sind sowie die Hebam­men, die in größeren Fraue­narzt­praxen arbeiten und im Wech­sel mit der Frauenärztin die Schwan­geren betreuen (was ja schon nicht schlecht ist, aber eben nicht das gle­iche, wie eine freiberu­fliche Hebamme, die zu einem nach hause kommt und, so meine Erfahrung, einen schier uner­schöpflichen Vor­rat an Zeit mit­bringt!). Con­tinue read­ing

Aus den Medien — Emma zum Thema Islam und Integration

Da ich mich ger­ade viel mit dem Thema Migra­tion und Inte­gra­tion beschäftige, habe ich mich sehr gefreut, als ich in der Emma-Ausgabe vom  Mai/Juni 2013 einen Artikel zum Thema Islam in Deutsch­land ent­deckt habe. Ich war sehr ges­pannt auf die Posi­tion der Emma zu dem Thema, war dann aber sehr enttäuscht.

Der Artikel greift u.a. das “Prob­lem” auf, dass mus­lim­is­che Eltern nicht wollen, das ihr Kinder in Kitas und Schulen Schweine­fleisch essen und dass die Mehrheits­ge­sellschaft darauf sogar Rück­sicht nehmen würde!

Ver­beuge ich mich also laut Emma vor den Islamis­ten, wenn ich meinem Sohn für das Gemein­schafts­früh­stück Geflügel-Salami statt Schweine-Salami ein­packe, damit er und sein deutscher Fre­und mus­lim­is­chen Glaubens sich das Früh­stücks­brot teilen kön­nen? Ich kann mir schwer vorstellen, dass Emma dies wirk­lich als Bedro­hung unserer Kul­tur sieht, auch nicht, dass mus­lim­is­che Kinder dadurch “vom nor­malen deutschen All­tag aus­geschlossen” sind. Wozu es dann aber thematisieren?

Natür­lich gibt es Ver­w­er­fun­gen, natür­lich gibt es Entwick­lun­gen, die nicht hin­nehm­bar sind. Auch die Frage, ob es richtig ist, dass mus­lim­is­che Kinder mitunter nicht am Schwim­munter­richt teil­nehmen oder nicht mit auf Klassen­fahrt mit­fahren, muss disku­tiert wer­den. Aber welchen Schaden nimmt die Mehrheits­ge­sellschaft, wenn sie auf die Ess­ge­wohn­heiten aller Gesellschaftsmit­glieder Rück­sicht nimmt?

Latest News from Pakistan…

14. Feb­ruar — Trotz des Anschlags am Don­ner­stag sind für diesen Fre­itag weit­ere Ver­hand­lun­gen zwis­chen den pak­istanis­chen Tal­iban und der pak­istanis­chen Regierung geplant.

13. Feb­ruar — Nach einem Selb­st­mor­dan­schlag auf einen Polizeibus in der Nähe von Karachi, bei dem 13 Men­schen getötet und min­destens 60 ver­letzt wur­den, stocken die Ver­hand­lun­gen zwis­chen der pak­istanis­chen Regierung und den pak­istanis­chen Tal­iban. Let­ztere hat­ten sich zu dem  Anschlag bekannt.

Gastautorin Anne-Kathrin Weber

Wir von Denksch­ablone freuen uns, Anne-Kathrin Weber von LesEr­Leben als Gas­tau­torin für unseren Blog gewon­nen zu haben. Ihren ersten Beitrag ver­fasste sie zum Thema Post­wach­s­tums­ge­sellschaft. Wir hof­fen, das sie bald wieder Zeit findet, für Denksch­ablone zu schreiben.

Gegen Einfamilienhaus-Idyll und Moralapostelkultur – Perspektiven auf die Postwachstumsgesellschaft

Das Wirtschaftswach­s­tum wird auf Dauer sinken. Darin sind sich viele Expert-Innen einig. Doch was kommt danach, wenn die kap­i­tal­is­tis­che Maxime nicht mehr durchge­setzt wer­den kann – in der soge­nan­nten Post­wach­s­tums­ge­sellschaft? Anne-Kathrin Weber stellt drei Denkan­sätze vor.

Post­wach­s­tums­ge­sellschaft. Wieder ein sehr deutsches Spra­chungetüm. Doch dahin­ter ver­birgt sich die span­nende und drän­gende Frage, wie wir unsere Wirtschaft und unser Leben in Zukunft gestal­ten wer­den. Rel­e­vant wird sie, weil die Gren­zen des Wirtschaftswach­s­tums bald erre­icht sind.

Das zumin­d­est ist die Ansicht von Men­schen wie Niko Paech. Der Wirtschaftswis­senschaftler ist seit einiger Zeit zu einer Art Pop­star der Post­wach­s­tums­forschung avanciert. Er glaubt, dass diese Wach­s­tums­gren­zen uns zwin­gen, neu und anders zu denken. Seine These: Im Bere­ich der Wirtschaft, aber auch dem der Lebenswelt jeder/jedes Einzel­nen, muss kün­ftiger weniger mehr sein. Con­tinue read­ing