Denkschablone

Austausch über aktuelle Themen der Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften

Rechtsextremismus im Untergrund – und trotzdem mittendrin?“ — Buchpräsentation am Hamburger Institut für Sozialforschung mit Andreas Klärner

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Seit dem Jahr 2000 ist ein rhetorischer Strate­giewech­sel der Recht­sex­tremen zu beobachten. Aus­gelöst durch die zunehmende gesellschaftliche Aus­gren­zung der extremen Rechten, entsch­ied diese sich für eine tak­tis­che Zivil­isierung. Lokale Kader wur­den ange­hal­ten, sich öffentlich von Gewalt zu dis­tanzieren und diesen Verzicht in ihrem Umfeld durchzuset­zen. Gle­ichzeitig berufen sich Neon­azis auf ihre demokratis­chen Rechte, beispiel­sweise Mei­n­ungs­frei­heit, und bieten sich als Gesprächspart­ner im demokratis­chen Prozess an.

Jedoch sollte man sich nicht täuschen. Die poli­tis­chen Ziele und Visio­nen sind weit­er­hin alles andere als gemäßigt. Ziel ist nicht weniger, als die radikale Neuord­nung der gesamten Gesellschaft und let­ztlich die Her­stel­lung einer eth­nisch und kul­turell homo­ge­nen Gesellschaft.

Mit dieser Ein­führung in die aktuelle Strate­gie der extremen Rechten beginnt die Diskus­sion zum Thema „Recht­sex­trem­is­mus im Unter­grund – und trotz­dem mit­ten­drin?“ im Ham­burger Insti­tut für Sozialforschung.

Im Mit­telpunkt des Abends steht Klärn­ers Feld­forschung zur rechten Szene. Nachzule­sen in seinem Buch “Zwis­chen Mil­i­tanz und Bürg­er­lichkeit. Selb­stver­ständ­nis und Praxis der extremen Rechten”.

Ziel der Forschung war es, die poli­tis­chen Aktivis­ten der recht­sex­tremen Bewe­gung stärker in den Vorder­grund zu stellen, ihre Pro­file, Selb­stver­ständ­nis, Motive und Ziele zu ver­ste­hen. Schließlich sind sie es, die neue Hand­lungskonzepte und Aktions­for­men entwick­eln, Anhänger rekru­tieren und indok­trinieren sowie Ver­anstal­tung organ­isieren. (S.10.)

Obwohl sicher­lich vieles, was an dem Abend gesagt wurde, dem einen oder anderen schon bekannt war, war es ein sehr infor­ma­tiver und inter­es­san­ter Abend und es ist an dieser Stelle nicht möglich, alle Punkte, die ange­sprochen wur­den, zu nennen.

Die Ver­anstal­tung endete mit einer sicher­lich pro­vokan­ten, deswe­gen aber nicht weniger nach­den­klich stim­menden These:

Auf die Frage, wie Klärner es sich erk­lärt, dass die NPD bis heute in Deutsch­land nicht ver­boten wurde, wies Klärner darauf hin, dass frem­den­feindliche Ein-stellungen in Deutsch­land bis in die Mitte der Gesellschaft reichen, man diese Frem­den­feindlichkeit aber, solange es die NPD gibt, nicht the­ma­tisieren muss – frei nach dem Motto, ras­sis­tisch ist das, was die NPD macht. Fiele die NPD weg (so möchte ich ergänzen) müsste die Gesellschaft begin­nen, über sich sel­ber nachdenken.

Lei­der blieb keine Zeit, diesen sehr diskus­sion­swürdi­gen Gedanken, weiter-zuführen. Auch mir bleibt ger­ade keine Zeit, über diesen Punkt weiter nach-zudenken. Es zeigt aber, wie wichtig es ist, sich nicht nur über die Exis­tenz der NPD zu ereifern, son­dern aktiv gegen den ganz alltäglichen Ras­sis­mus in seinem eige­nen Umfeld vorzuge­hen. Zivil­courage zu zeigen, die sicher­lich, ger­ade im pri­vaten Umfeld, nicht immer ein­fach ist, aufzubringen

 Literatur:

- Andreas Klärner: Zwis­chen Mil­i­tanz und Bürg­er­lichkeit. Selb­stver­ständ­nis und Praxis der extremen Rechten. Ham­burg: Ham­burger Edi­tion 2008.

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