Denkschablone

Austausch über aktuelle Themen der Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften

Goldman Verlag

Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus von Noah Sow

| 2 Comments

Noah Sow beginnt ihr Buch mit der Fest­stel­lung, dass der Stand der Aufk­lärung über die Gesichter des Ras­sis­mus und die Rolle, die die Mehrheits­ge­sellschaft dabei spielt, in Deutsch­land noch sehr niedrig ist. Ras­sis­mus, so die gängige Vorstel­lung, das gibt es nur bei den anderen, in den USA, in Großbri­tan­nien und natür­lich noch bei den Neon­azis, aber selb­stver­ständlich nicht im eige­nen Umfeld und schon gar nicht bei einem selber!

Aber wenn man als Leser ganz ehrlich zu sich selbst ist, dann merkt man schnell, wie infiziert man selbst doch von diesem Gift ist. Da sind die Kinder­lieder und Bücher, mit denen man selbst aufgewach­sen ist und die es noch heute zum Teil unbe­merkt in die Kinderz­im­mer schaf­fen. Mein Sohn hat tat­säch­lich vor zwei Jahren eine Musik-CD geschenkt bekom­men, die ganz harm­los aus­sah, die klas­sis­chen Kinder­lieder eben und zwis­chen “Alle meine Entchen” und “Fuchs du hast die Gans gestohlen” kam ungel­o­gen auch das Lied “10 kleinen N*”. Darüber war ich schon damals schock­iert und die CD hat sich dann auch bald in Luft aufgelöst. Über die Prob­lematik manch anderer Geschichten, Spiele und Darstel­lun­gen war ich mir bis zur Lek­türe des Buches aber nicht bewusst. Vielle­icht hatte ich hin und wieder schon ein mul­miges Gefühl, das Buch Deutsch­land Schwarz Weiß hat mir dann aber ganz deut­lich gemacht, dass gewisse Geschichten, Darstel­lun­gen und Spiele eben kein Spaß sind und das es wichtig ist, diese aus dem Kinderz­im­mer zu ver­ban­nen und auch an der eige­nen Sprache zu arbeiten.

Das ist erst­mal nicht leicht, ich muss an mir selbst arbeiten, einige Sprich­worte, geflügelte Worte und Aus­drücke aus meinem Wortschatz ver­ban­nen und genau genom­men auch darauf beste­hen, dass sie in meinem Bei­sein und vor allem dem meiner Kinder nicht ver­wen­det wer­den. Und ich werde einiges zu erk­lären haben, wenn mein Sohn merkt, dass einzelne Bücher und CDs fehlen und aus seinem Lexikon Seiten raus­geris­sen sind. Beispiel­sweise die, auf denen die Wörter Es* und Ind* erk­lärt wer­den oder auch die Seite, auf der der afrikanis­che Kon­ti­nent vorgestellt wird.

Es ist schon richtig, was Noah Sow schreibt, Ras­sis­mus zu über­winden ist Arbeit. Wem bisher noch nicht klar ist, warum er diese Arbeit auf sich nehmen sollte, sollte Deutsch­land Schwarz Weiß unbe­d­ingt lesen. Denn Noah Sow führt ein­drucksvoll aus, was Ras­sis­mus für die betrof­fe­nen Men­schen bedeutet. Für alle, die sich sicher sind, nicht ras­sis­tisch sprechen, denken und han­deln zu wollen, ist das Buch eben­falls zu empfehlen. Denn, so Noah Sow, nur wenn man Ras­sis­mus ver­steht, kann man ihn überwinden.

Ich habe irgendwo mal den Spruch gele­sen, dass Verge­wal­ti­gung nur von Män­nern gestoppt wer­den kann. Ras­sis­mus kön­nen nur die Weißen stop­pen. Ich habe mich, wie sicher­lich viele, bisher der Illu­sion hingegeben, dass Ras­sis­mus in Deutsch­land kein großes Prob­lem ist. Erfahrun­gen von schwarzen Fre­un­den habe ich als trau­rige Einzel­er­fahrun­gen abge­tan. Ich bin froh, das Buch gele­sen zu haben!


 

Dieses Buch über

eBook.de

kaufen unter­stützt meinen Blog.

2 thoughts on “Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus von Noah Sow

  1. Pingback: Rückblick – Was war los im JuliDenkschablone | Denkschablone

  2. Pingback: Rückblick – Was war los im AugustDenkschablone | Denkschablone

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>